INSTITUT FÜR ALLGEMEINMEDIZIN

Newsletter 1/2026

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Grußwort


Liebe Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Interessierte der Allgemeinmedizin, 

das Jahr 2026 gerade mal zur Hälfte fortgeschritten, lässt uns in unserer täglichen Arbeit die Herausforderungen spüren eines Transformationsprozesses in der Organisation unserer täglichen Arbeit vor dem Hintergrund digitaler und nun zunehmend auch Einsparungsprozessen. Der zweite Versuch, den Lehrstuhl wieder voll zu besetzen, ist leider erfolglos geblieben. Dennoch, obgleich der Lehrstuhl weiterhin noch nur halb besetzt ist, gab es in der ersten Hälfte dieses Jahres wieder wichtige Impulse und Aktivitäten an unserem Institut, und auch neue Mitarbeiterinnen, von denen der diesjährige Newsletter berichtet.

Die Akquise weiterer kassenärztlich tätiger Praxen, die akademische Lehrpraxis werden wollen, ist weiterhin sehr erfolgreich! Der Prozess der vertieften studentischen Evaluation der Lehre in den Blockpraktika, gibt uns Anregungen für den weiteren Prozess der Qualifizierung akademischer Lehrpraxen. Auch die Konzeption unserer begleitenden Seminare haben wir modifiziert, so dass nun jeder Studierende die Möglichkeit erhält, patientenzentriert nach biopsychosozialen Gesichtspunkten einen Patienten vorzustellen und in der Seminarrunde zu diskutieren.

Nach Abschluss der Gastprofessur in Brasilien im letzten Jahr begann ich damit, ein binationales Netzwerk aufzubauen von Kolleginnen und Kollegen an 5 brasilianischen und 5 deutschen Universitäten mit dem Ziel, eine Zusammenarbeit für ein brasilianisch-deutsches Netzwerk für praxisorientierte Forschung in der hausärztlichen Versorgung aufzubauen.

Näheres dazu, aber auch zu unseren weiteren Aktivitäten, erzählen die folgenden Beiträge.

Herzlichen Dank gilt all denjenigen, die tatkräftig und zielführend mitgewirkt haben, neue Akzente gesetzt haben und uns tatkräftig in der ärztlichen Ausbildung unterstützt haben!

 

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Markus Herrmann und das Team des Instituts für Allgemeinmedizin (IALM)

Aktuelle Informationen
» Vorstellung: Ligia Lorandi
» Vorstellung: Valerie Duvinage
» Weitere Themen
Lehre
» Starkes Netzwerk Lehrpraxen - Gemeinsam Lehrkompetenz weiterentwickeln
» Projekt BPAM-Monitor: Gute Lehre sichtbar machen - und wirksam weiterentwickeln
» Einführung: E-Learning-Module im BPAM-Begleitseminar - Interview mit Martin Berwig
» Erfahrungen mit neuer Lehreinheit im Querschnittsbereich "Medizin des Alterns und des alten Menschen" (ImPro Q7)
» Neueste Weiterentwicklung des Untersuchungskurs Allgemeinmedizin - veränderte Prüfungsfom im Sommersemester 2026
» Erfahrungen aus PJ-Besuchen, PJ-Zertifizierungen und Staatsexamensprüfunngen
» Weitere Themen
Forschung
» Vorbereitung Bildung einer binationalen deutsch -brasilianischen Forschungsgruppe
» Hausärztliche Besuche in Gemeinde und Familie in Rio
» Planung eines binationalen Besuchsprogramms im Gesundheitszentrum "Emocy Krause" in Recife
» Besuch beim Bundesgesundheitsminister in Brasilia
» Bericht EURIPA: Forum zu KI bei Polypharmazie
» Weitere Themen

Aktuelle Informationen

Vorstellung: Ligia Lorandi

Ligia Lorandi nimmt seit Dezember 2025 an den Treffen der binationalen Forschungsgruppe Brasilien-Deutschland teil. Ab Juni verstärkt sie das Institut für Allgemeinmedizin als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Lehre und Forschung.

Hintergrund: Lorandi war Hausärztin in Rio de Janeiro und hat Medizinstudierende betreut und im Rahmen der Weiterbildung für Allgemein- und Familienmedizin Seminare begleitet, in denen sie Kompetenzen der Familienmedizin vermittelte. 

Nach ihrem Umzug nach Deutschland 2016 hat sie die letzten Jahre in Praxen gearbeitet, nahm Elternzeit und schließlich erlangte sie Anerkennung als Fachärztin für Allgemeinmedizin und arbeitet mit in einer hausärztlichen Praxis.

Vorstellung: Valerie Duvinage

Valerie Duvinage wird ab Juni als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin in Lehre und Forschung mitarbeiten. Ihren Masterabschluss in Sozialwissenschaften absolvierte sie mit dem Schwerpunkt „Gesundheit und Lebensqualität“. Sie freut sich darauf den interdisziplinären Austausch unter Medizinstudierenden zu fördern und Räume für die Reflexion gesellschaftlicher Entwicklungen sowie psychosozialer Einflussfaktoren auf Gesundheit, die Arzt-Patient:innen-Interaktion und das medizinisches Handeln zu schaffen."

Lehre

Starkes Netzwerk Lehrpraxen - Gemeinsam Lehrkompetenz weiterentwickeln

Unser Lehrpraxennetzwerk wächst weiter: Aktuell zählen wir 112 Lehrpraxen, darunter 21 neue Praxen, die wir in den vergangenen Monaten gewinnen konnten.

Im Rahmen des Promotionsvorhabens von Ines Pericie-Brasch wurden bereits 13 Interviews mit Lehrärztinnen und Lehrärzten durchgeführt. Die Gespräche geben wertvolle Einblicke in den Praxisalltag und zeigen eindrucksvoll, mit wie viel Engagement sich unsere Lehrpraxen in die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses einbringen.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen erste Impulse für die Weiterentwicklung der Lehrpraxisqualifizierung liefern. Geplant ist, erste Ergebnisse im Rahmen des Lehrärztetreffens am 02.09.2026 vorzustellen und gemeinsam zu diskutieren.

Unser Anliegen bleibt es, gemeinsam mit Ihnen ein praxisnahes Qualifizierungsprogramm zu entwickeln, das Lehrpraxen bestmöglich unterstützt und ihre wichtige Rolle in der Ausbildung stärkt.

Herzlichen Dank für Ihr Mitwirken, Ihre Offenheit und die Zeit, die Sie sich für die Interviews und Einblicke in Ihre Praxis nehmen. Ihre Erfahrungen und Perspektiven leisten einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Lehrpraxisarbeit.

 

Projekt BPAM-Monitor: Gute Lehre sichtbar machen - und wirksam weiterentwickeln

Mit der curricularen Weiterentwicklung des Blockpraktikums Allgemeinmedizin ist im Wintersemester 2025/26 auch das Projekt BPAM-Monitor gestartet. Ziel dieses Projekts ist es, Veränderungen nicht nur einzuführen, sondern ihre Wirkung systematisch zu verstehen. Dabei interessieren uns folgende Fragen: Wie lernen Studierende? Was trägt wirklich zur Kompetenzentwicklung bei und wo liegen ungenutzte Potenziale?

Die ersten Ergebnisse zeigen ein vertrautes, aber entscheidendes Spannungsfeld: Die Qualität der Betreuung wird durchweg als hoch eingeschätzt – zugleich bleibt der wahrgenommene Kompetenzzuwachs dahinter zurück. Studierende erleben also viel Engagement, aber echte Einbindung in klinisches Denken und Entscheiden ist noch entwicklungsfähig.

Gerade vor dem Hintergrund des weiterentwickelten BPAM-Begleitseminars – fallbasiertes biopsychosoziales Arbeiten und patientenzentriertes Reflektieren im Seminar und vorbereitende E-Learning-Module – wird deutlich, dass der entscheidende Lern-Raum die Praxis bleibt. Und damit bleibt die Frage, wie konsequent wir Studierende dort ins ärztliche Handeln hineinführen.

Das Projekt BPAM-Monitor schafft hierfür erstmals eine kontinuierliche, datenbasierte Grundlage. Es macht Unterschiede sichtbar, ermöglicht gezielte Rückmeldungen und legt die Basis für eine gemeinsame Weiterentwicklung der Lehre. Denn der Anspruch ist klar: Wir wollen nicht nur unsere eigenen Vorstellungen von guter Lehre realisieren, – sondern die Lehre soll auch nachweislich wirksam sein.

Einführung: E-Learning-Module im BPAM-Begleitseminar - Interview mit Martin Berwig

Was hat sich mit der Einführung der E-Learning-Module im BPAM-Begleitseminar konkret verändert?

Martin Berwig (MB): Ursprünglich haben die Studierenden in diesem Seminar neben themenorientierten, patientenzentrierten Fallpräsentationen auch achtminütige Kurzreferate gehalten, die das jeweilige Thema eingeleitet haben. Darin ging es zum Beispiel um akute Beratungsanlässe, gemeinsame Entscheidungsfindungen in der Medizin oder Arten der Krankheitsbewältigung. Durch die Umstellung auf reine Fallpräsentationen und deren Reflexionen sind die Kurzreferate weggefallen und wir haben diese Themen in  E-Learning-Modulen untergebracht.

Warum hat das Institut für Allgemeinmedizin sich dafür entschieden, die Kurzreferate zu streichen und deren Inhalte woanders unterzubringen?

MB: Die Kurzreferate waren häufig sehr schleppend und die Studierenden haben sich nicht besonders lebhaft an der Diskussion beteiligt. Durch die Umstellung auf ausschließlich themenorientierte Fallpräsentationen hat sich das verändert: Die Studierenden sind offener für Diskussionen und stellen mehr Fragen. Mir als Dozierender macht das Begleitseminar dadurch viel mehr Spaß und mein Eindruck ist, dass es den Studierenden auch so geht. Vorher war es außerdem nicht so einfach, einen Praxisbezug zu den Themen herzustellen. Und genau das und die Art der Kurzreferate haben die Studierenden explizit kritisiert. Sie wünschten sich mehr Praxis und Reflexionen zu ihren Fallpräsentationen. Diesem Wunsch sind wir mit unserer Umstellung nachgekommen.

Was versteckt sich hinter den einzelnen E-Learning-Modulen?

MB: Hinter den Modulen finden sich grob zwei Arten von Themen: Einmal die eher psychosozialen Themen und die Themen mit einem stärker medizinischen Hintergrund. Die einzelnen Module sind dann nach dem E-Learning Format des „interaktiven Books“ so aufgebaut, dass links in der Leiste die einzelnen Unterthemen zu psychosozialen und medizinischen Themenpaketen zu finden sind und wenn man in der Leiste ein entsprechendes Thema, also eine Überschrift, anklickt, ist es möglich, innerhalb der Themen im Text nach oben oder nach unten zu springen.

Hinter den Überschriften verbergen sich nicht nur bloße Texte, sondern auch Links, Grafiken und Bilder. Wir versuchen, viel von der Bandbreite zu nutzen, die durch das E-Learning möglich ist. Am Ende jedes Thema müssen dann die Studierenden eine MC-Frage beantworten, damit sie wissen, was sie gelernt haben. Uns war es dabei wichtig, dass die Studierenden auch eine Rückmeldung zu den einzelnen Fragen oder Antwort-Alternativen bekommen, also was genau bei der jeweiligen Antwort richtig oder falsch war. Wenn das ganze Modul durchgearbeitet wurde, erhalten die Studierenden dafür zukünftig ein Zertifikat. 

Welchen Zeitpunkt ist für die Studierenden der beste, um die Module durchzuarbeiten?

MB: Für die Zukunft ist es so angedacht, dass die Studierenden die E-Learning-Module als Vorbereitung auf das Blockpraktikums Allgemeinmedizin absolvieren. Denn die Inhalte, die wir bei den einzelnen Themen teilweise zu Lehrvideos der Universität Freiburg verlinkt haben, vermitteln Wissen praxisbezogen und sehr gut verständlich. Sie sollen die Studierenden anregen, ihre Patientenvorstellungen im Seminar biopsychosozial und patientenzentriet auszuarbeiten und mit ihren Fragen im Anschluss zur Diskussion darzustellen. Damit sind die Studierenden sehr gut für das Blockpraktikum Allgemeinmedizin gewappnet.

Erfahrungen mit neuer Lehreinheit im Querschnittsbereich "Medizin des Alterns und des alten Menschen" (ImPro Q7)

Nachdem wir im Newsletter Ende 2025 die Einführung der neuen Lehreinheit ImPro Q7 vorgestellt haben, berichten wir im Folgenden über unsere ersten Erfahrungen aus dem Wintersemester 2025/26.

Die Lehreinheit ImPro Q7, in der Studierende eigene konflikthafte Erfahrungen mit älteren Patient: innen narrativ aufarbeiten und im Seminar gemeinsam reflektieren, hat sich aus Sicht der Lehrenden und Studierenden sehr bewährt. Die Lehrveranstaltung wurde insgesamt sehr gut angenommen, was an der hohen Beteiligung sowie den intensiven Diskussionen in den Kleingruppen zu sehen war.

Besonders deutlich wurde, dass die Aufgabenstellung den Bedürfnissen der Studierenden entspricht: Die Möglichkeit, eigene Erfahrungen aus dem klinischen Alltag einzubringen und gemeinsam zu reflektieren, nahmen die meisten Studierenden als relevant und hilfreich für die eigene Professionalisierung wahr. Sie konnten sich differenziert damit auseinandersetzen, welche „Klippen“ im Umgang mit älteren Patient:innen häufig auftauchen, sich diesen Herausforderungen stellen und sowohl emotionale als auch kognitive Aspekte ihres Handelns besser verstehen.

Darüber hinaus hat sich die Kombination aus Präsenzseminar und vorbereitenden bzw. ergänzenden E-Learning-Modulen als sinnvoll erwiesen. Insbesondere, weil wir einzelne Inhalte in digitale Formate ausgelagert haben, ist es möglich, die Seminarzeit für Reflexion und Diskussion effizienter zu nutzen.

Ausblick

Aufgrund der durchweg positiven Erfahrungen wird die Lehreinheit ImPro Q7 künftig fest im Curriculum verankert. Sie stellt eine wertvolle Ergänzung dar, um neben medizinischem Wissen gezielt auch empathische, kommunikative und professionelle Kompetenzen zu fördern – aus unserer Sicht ein zentrale Voraussetzungen für eine qualitativ hochwertige Versorgung älterer Patient:innen.

Neueste Weiterentwicklung des Untersuchungskurs Allgemeinmedizin - veränderte Prüfungsfom im Sommersemester 2026

Der „Klopfkurs“ als Teil des Untersuchungskurses Allgemeinmedizin ist seit 2024 fest im Curriculum der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität verankert und wurde in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt. Diese Lehrveranstaltung vermittelt Studierenden des 3. Studienjahres praxisnah diagnostische Strategien für die hausärztliche Versorgung – insbesondere den strukturierten Umgang mit klinischen Scores und der in der Allgemeinmedizin allgegenwärtigen diagnostischen und therapeutischen Entscheidungsunsicherheit.

Im Zentrum steht dabei die strukturierte Erhebung klinischer Informationen sowie die Ableitung fundierter diagnostischer und therapeutischer Entscheidungen auf Basis validierter Scores (z. B. Marburger Herz-Score, Wells-Score, Alvarado-Score). Diese Kompetenzen werden im Rahmen von Vorlesung, Praktikum mit Schauspielpatienten und begleitendem E-Learning gezielt aufgebaut und trainiert.

Neuerung im Sommersemester 2026: E-Zertifikat statt OSCE-Prüfung

Im Sommersemester 2026 wurde erstmals eine zentrale curriculare Anpassung umgesetzt:  Statt der bisherigen OSCE-Prüfung müssen die Studierenden nun einen E-Learning-basierten Kurs absolvieren und erhalten dafür ein Zertifikat.

Das E-Zertifikat prüft die erworbenen Kompetenzen anhand interaktiver, fallbasierter Key-Feature-Fragen. Dabei werden klinische Szenarien schrittweise („aufblätternd“) präsentiert. Nach jedem Informationsschritt müssen die Studierenden konkrete Entscheidungen treffen – beispielsweise zur weiteren Diagnostik oder Therapie. Auf diese Weise wird überprüft, ob relevante klinische Informationen strukturiert erhoben, die Kriterien klinischer Scores korrekt angewendet und daraus angemessene Handlungsentscheidungen abgeleitet werden können.

Didaktische Einordnung

Die Umstellung basiert auf der Annahme, dass die in der OSCE geprüften Kernkompetenzen – insbesondere das strukturierte Abarbeiten von Score-Kriterien und die darauf aufbauende Entscheidungsfindung – auch durch ein digitales, fallbasiertes Prüfungsformat valide erfasst werden können.

Während die OSCE-Prüfung vor allem praktische Fertigkeiten im direkten Patient:innenkontakt abbildet, liegt der Fokus im Untersuchungskurs primär auf kognitiven Entscheidungsprozessen: dem systematischen Erfassen relevanter Befunde und der Anwendung standardisierter Entscheidungsregeln. Diese Prozesse lassen sich durch Key-Feature-Formate besonders gezielt prüfen, da sie kritische Entscheidungspunkte im diagnostischen Ablauf abbilden.

Gleichzeitig bietet das E-Zertifikat erhebliche Vorteile im Hinblick auf personelle und zeitliche Ressourcen, weil so eine standardisierte und skalierbare Prüfungssituation für alle Studierenden gewährleistet werden kann.

Erfahrungen aus PJ-Besuchen, PJ-Zertifizierungen und Staatsexamensprüfunngen

In der ärztlichen Ausbildung unserer Studierenden stellt das Praktische Jahr (PJ) einen bedeutsamen Abschnitt dar: die Schwelle zum Übergang zur selbständigen ärztlichen Tätigkeit. Weil dieser Studienabschnitt so besonders wichtig ist, liegt uns auch die sorgfältige Auswahl und intensive Betreuung der PJ-Praxen sehr am Herzen.

Bevor ärztliche Kolleginnen und Kollegen bei uns als Lehrärztinnen und Lehrärzte tätig werden können, zertifizieren wir die Praxis. Hierbei werden gemäß einem entsprechenden Anforderungskatalog im persönlichen Gespräch die Voraussetzungen gemeinsam erläutert und erarbeitet. Dadurch haben wir neben dem kollegialen Austausch auch einen interessanten Einblick, wie unsere Lehrärzte und Lehrärztinnen arbeiten; denn beim Besuch in der Praxis sehen wir die Räumlichkeiten, lernen das Praxis-Team kennen und können mit den Kolleginnen und Kollegen die Vorstellungen und Erwartungen hinsichtlich der akademischen Begleitung von PJ-Studierenden besprechen. Sind alle Voraussetzungen erfüllt erfolgt die Zertifizierung. Das bedeutet für uns, dass wir die Studierenden regelmäßig, während ihrer Arbeitszeit in den Praxen besuchen. Bei dem Besuch liegt unser Augenmerk - neben dem kollegialen Austausch und einem offenen Ohr für Anregungen und Wünsche der Lehrärzt:innen – darauf, wie die PJ-Studierenden ihre Tätigkeit in der Praxis einschätzen. Es erfolgt während unseres Besuchs außerdem eine Konsultation einer Patientin oder eines Patienten, die wir im Anschluss kritisch diskutieren. Da alle Studierenden, die ihr PJ in der Allgemeinmedizin ableisten, in diesem Fach auch im dritten Staatsexamen geprüft werden, können wir ihnen mit diesem Gespräch zudem ein Gefühl für den Ablauf der bevorstehenden Prüfung vermitteln. Denn auch im dritten Staatsexamen müssen die Studierenden Patient:innen vorstellen, einen Vorschlag zu Diagnose und Therapie machen und sich einer Diskussion zu diesen Punkten stellen.

Das dritte Staatsexamen stellt die letzte Hürde vor dem Übergang zum Status der fertigen Ärztin bzw. des fertigen Arztes dar – deshalb ist sie ein großer Augenblick für die Studierenden, aber auch für uns als Prüfende. Nicht nur, dass wir uns an die Zeit erinnern, als wir selbst auf der anderen Seite der Prüfung standen und uns angespannt fragten, welche Fragen uns treffen würden und ob wir diese auch gut beantworten können. Dieser Moment ist für uns auch so besonders, weil wir Kolleg:innen anderer Fachrichtungen begegnen und selbst versuchen, ihre Fragen zu beantworten. Und letztendlich, weil wir die angehenden Ärzt:innen durch den Abschluss des Studiums in eine neue Welt führen – die Welt der ärztlichen Berufsausübung. Diesen Augenblick mitzuerleben ist jedes Mal wieder besonders schön.

PJ-Besuch in der Lehrpraxis Dr. Schröter, Osterburg

Ende Februar besuchte unsere Wissenschaftliche Mitarbeiterin Heike Grosse die Lehrpraxis von Dr. Volkmar Schröter in Osterburg, um sich von einer dort im PJ tätigen Studierenden und  den Rahmenbedingungen  vor Ort ein Bild zu machen. Die Praxis machte einen einladenden Eindruck: Ein modern gestalteter Empfangsbereich mit freundlichen Farben und ein aufmerksames Team empfingen sie. Dr. Schröter begrüßte Frau Grosse persönlich und stellte sie der anwesenden PJ-Studierenden vor.

Zunächst sprach Frau Grosse allein mit der Studierenden, um deren Erfahrungen in der Praxis zu erfahren. Diese zeigte sich sehr zufrieden mit den Arbeitsbedingungen und lobte insbesondere die Lernatmosphäre. Dr. Schröter sei ein engagierter und leidenschaftlicher Arzt, der sich viel Zeit für Fragen nehme. In den zwei Wochen in der Praxis habe sie mehr gelernt als im gesamten ersten Tertial. Auch das Praxisteam sei sehr kollegial, und es herrsche eine offene Kommunikation.

Anschließend begleitete Frau Grosse die Studierende bei der Konsultation einer 67-jährigen Patientin. Diese klagte über einen juckenden, stark geröteten Ausschlag mit kleinen Pickeln an den Oberschenkel-Innenseiten. Die Studierende ging strukturiert vor: Sie erklärte die Werte der letzten Blutuntersuchung verständlich, erfragte aktuelle Beschwerden und klärte mögliche Auslöser ab, wie Tierkontakt, Veränderungen bei Waschmitteln oder Seifen sowie neue Kleidung. Nach der Inspektion des Ausschlags fragte sie Frau Grosse zu Differentialdiagnosen und Therapieoptionen. Anschließend holte sie Dr. Schröter hinzu, der die Hautveränderungen ebenfalls begutachtete. Er vermutete einen infektiösen Ausschlag, verursacht durch Bakterien oder Pilze, nahm einen Abstrich und verordnete eine antimykotische Salbe mit antibiotischem Anteil. Frau Kruse wurde zugesichert, dass sie umgehend über das Ergebnis informiert werde.

Im gemeinsamen Gespräch mit Dr. Schröter und der Studierenden wurde deutlich, wie wichtig ihm die Wissensvermittlung ist. Er beschrieb seine Arbeitsweise und erklärte, wie er die PJ-Studierende schrittweise anleitet. Trotz seines vollen Terminkalenders nahm er sich Zeit, um Fragen zu beantworten und die Studierende in die Praxisabläufe einzubinden.

Mit dem Eindruck einer gut organisierten Praxis und einem engagierten Lehrarzt verließ Frau Grosse die Praxis. Wer Allgemeinmedizin praxisnah und fundiert erlernen möchte, ist bei Dr. Schröter an der richtigen Adresse.

Forschung

Vorbereitung Bildung einer binationalen deutsch -brasilianischen Forschungsgruppe

Im März hatte Prof. Herrmann Gelegenheit in Rio, Recife, Caruaru und Brasilia verschiedene Kolleg:innen zu treffen, die mit mir eine binationale Forschungsgruppe im Rahmen eines brasilianisch-deutschen Netzwerks aufbauen wollen. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von weiteren vier Medizinischen Fakultäten und der Kassenärztliche Bundesvereinigung wollen wir eine binationale Forschungsgruppe für den Aufbau einer Zusammenarbeit für ein brasilianisch-deutsches Netzwerk für praxisorientierte Forschung in der primären Gesundheitsversorgung aufbauen.

Bei den Treffen, die teilweise schon länger geplant waren, teilweise recht kurzfristig erfolgten, konnte Prof. Herrmann erneut Einblicke in alltägliche Versorgungsstrukturen, Forschungskultur, Administration und Lehrpraxis in Brasilien bekommen. Dabei war für ihn der persönliche Kontakt sehr hilfreich und anregend, um Fragen zu dem Projektvorhaben zu klären und auch die Kollegenschaft vor Ort zu motivieren. Zudem konnte er neue Kontakte knüpfen und noch mehr Interessierte für den binationalen Austausch gewinnen.

Hausärztliche Besuche in Gemeinde und Familie in Rio

In Rio stand neben weiteren persönlichen Treffen der Besuch des Department der Primärversorgung, einer universitären Einrichtung der bundesstaatlichen Universitäten von Rio de Janeiro (UFRJ) und dem ambulanten multiprofessionellen Gesundheitszentrum mit Ärzt:innen, Sozialarbeiter:innen, Physiotherapeut:innenn, Pflegekräften und Familienhelfer:innen im Vordergrund. In den Teams beobachtete Prof. Herrmann Konsultationen im Gesundheitszentrum und nahm an Familienbesuchen teil. Außerdem durfte er in einem Seminar für Medizin-Studierende der Kollegin Professora Valeria Romano das Konzept von Augusto Boal erleben, ein von Berthold Brecht und Paulo Freires inspiriertes Konzept des „Theaters der Unterdrückten“: Er verfolgte das Ziel, soziale und politische Missstände durch interaktives Spiel sichtbar zu machen und zu verändern. Die klassische Trennung zwischen Bühne und Publikum ist aufgehoben: Zuschauer:innen werden zu „Zuschau-Schauspieler:innen“ (Spect-actors), die aktiv in das Geschehen eingreifen. So wurde in einer kleinen Gruppe von Studierenden das Thema „Mounjaro als Abnehmspritze“ als kontroverses Rollenspiel zweier Student:innen inszeniert.

Planung eines binationalen Besuchsprogramms im Gesundheitszentrum "Emocy Krause" in Recife

In Recife hatte Prof. Herrmann Gelegenheit, in dem Gesundheitszentrum, in dem Professor Vitor Barreto arbeitet, bei Konsultationen, Haus- und Familienbesuche und den studentischen Unterricht zu begleiten. Dabei konnten wir das mögliche Besuchsprogramm für Recife im Rahmen des binationalen Austauschs weiter konkretisieren und mögliche Ansprechpartner:innen gewinnen. In Caruaru besuchte Prof. Herrmann mit Professor Breno Fontes die Ärztin Viviane Xavier de Lima Silva im Sekretariat für Gesundheit, wo die Versorgung im Kreis organisiert, verwaltet wird und auch ein Ort, wo eine Menge an wertvollen Versorgungsdaten erhoben und ausgewertet werden.

Besuch beim Bundesgesundheitsminister in Brasilia

Der letzte Tag der Brasilienreise von Prof. Herrmann beinhaltete noch einen ganz besonderen Abschluss:

Auf Einladung von Professor Rodrigo Cariri Almeida, im Ministerium für Gesundheit zuständig für den Bereich Arbeit und Erziehung, konnte er zusammen mit Professor Sandro Rodrigues Batista unser binationales Konzept der Bildung einer Forschungsgruppe im Gesundheitsministerium vorstellen.

Möglichkeiten eines zukünftigen Forschungsaustauschs zwischen Brasilien und Deutschland konnten wir sondieren vor dem Hintergrund ähnlicher Herausforderungen. Themen könnten sein: Bildung eines gemeinsamen binationalen Graduiertenkollegs für Promotionen, Austausch in Bezug auf Ausbildungsformate für Gesundheitsberufe in der Primärversorgung; Sondierung der Gründe, ob Verbleib oder Ausscheidens aus einer Tätigkeit in der Primärversorgung u.a.. Zuständig für die gesamte ärztliche Weiterbildung in ganz Brasilien, war Professor Rodrigo Cariri Almeida auch sehr interessiert auch an den deutschen Entwicklungen der ärztlichen Weiterbildung.

Bericht EURIPA: Forum zu KI bei Polypharmazie

Auf dem 14. EURIPA-Gesundheitsforum in der Lutherstadt Wittenberg in Deutschland (Juni 2025) untersuchten 19 Hausärzt:innen und Forscher:innen aus ganz Europa und Kanada, wie große Sprachmodelle (LLMs) anhand von ChatGPT-5 das Medikamentenmanagement bei älteren Patient:innen mit Polypharmazie unterstützen könnten.

Die Teilnehmer:innen testeten das KI-Tool an einem realen klinischen Fall, bei dem es um einen älteren Patienten ging, der fünf Medikamente einnahm (Polypharmazie). Unter Verwendung der kostenlosen Version von ChatGPT führten sie gemeinsam eine strukturierte Medikamentenüberprüfung durch, gefolgt von einer offenen Diskussion über die Machbarkeit der Integration von KI in die alltägliche Praxis in Primärversorgung.

 Das Forum hatte das Ziel, Folgendes zu ermitteln:

 Praktische Herausforderungen und Chancen der KI-gestützten Medikamentenüberprüfung

  • Ethische und rechtliche Überlegungen
  • Hindernisse und fördernde Faktoren für die Umsetzung in der Primärversorgung.

Wichtigste Erkenntnisse

Anhand einer thematischen Analyse nach Braun & Clarke kristallisierten sich zwei Hauptkategorien heraus:

 Zu den fördernden Faktoren gehörten:

  • Klinische Unterstützung und Entscheidungshilfe
  • Kooperative Einbindung und gemeinsame Entwicklung
  • Effizienz der Arbeitsabläufe und Unterstützung auf Bevölkerungsebene
  • Engagement für Sicherheit und Datenspezifität

 Zu den Hindernissen gehörten:

  • Vertrauen in die Genauigkeit und Halluzinationen
  • Integration und Qualität sowie Nachhaltigkeit der Infrastruktur
  • Verlust des klinischen Urteilsvermögens und Fertigkeiten
  • Lücken in Regulierung und Datenschutz

 Fazit

Die Teilnehmer:innen äußerten gemischte, aber durchdachte Standpunkte, die sowohl Optimismus als auch Vorsicht zum Ausdruck brachten. Während KI-Tools vielversprechende Möglichkeiten zur Verbesserung des Managements von Polypharmazie bieten, müssen vor deren breiten Einführung erhebliche praktische und regulatorische Herausforderungen bewältigt werden.

BILDNACHWEIS:

Bild 1: neurobite - stock.adobe.com; Bild 2: Ligia Lorandi; Bild 3:Valerie Duvinage; Bild 4/5/6/7: Chat GPT;

Bild 8: Jonas Werner; Bild 9: Chat GPT; Bild10/11/12/13 Markus Herrmann; Bild 14: Chat GPT

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Letzte Änderung: 11.06.2026 - Ansprechpartner:

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