Aktuelle Informationen
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Fallvorstellung Heike Grosse
Vorstellungsanlass: Heike Grosse möchte am IALM der Otto-von-Guericke-Universität Allgemeinmedizin lehren und ein binationales Forschungs-Projekt zwischen Deutschland und Brasilien vorbereiten, bei dem sich Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen zur medizinischen Versorgung austauschen.
Vorerfahrung: Seit dem Abschluss ihres Medizinstudiums an der Charité Berlin absolvierte sie ein journalistisches Volontariat, lehrte an der Berliner Sprachenschule GLS „Deutsch für ausländische Ärzte“ und ist Weiterbildungsassistentin für Allgemeinmedizin.
Allergien und Unverträglichkeiten: Heike Grosse reagiert allergisch auf die ausufernde Nutzung von elektronischen Endgeräten.
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Vorstellung Lea Tyllack
Lea Tyllack ist seit 01.12.2025 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin beschäftigt und überwiegend in der Lehre tätig. Sie ist Ärztin in Weiterbildung und bringt Erfahrungen aus der Allgemein- und Gerontopsychiatrie mit. Ihr ist ein mehrdimensionales Gesundheitsverständnis in Versorgung und Lehre besonders wichtig.
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Lehre
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Engagiert, vernetzt, zukunftsorientiert: Das Lehrärztetreffen 2025
Bei unserem Lehrärztetreffen am 24.09.2025 konnten wir nicht nur unsere langjährigen Lehrärztinnen und Lehrärzte, sondern auch neue und interessierte Kolleginnen und Kollegen begrüßen. Den „alten Hasen“ überreichte Prof. Dr. Hermann Urkunden als Dank für ihren wichtigen Beitrag zur Ausbildung angehender Ärztinnen und Ärzte und den kontinuierlichen Einsatz für eine qualitativ hochwertige akademische Lehre in der Allgemeinmedizin.
Auf dem Treffen stellten wir den Lehrärzten und Lehrärztinnen außerdem die neusten Entwicklungen in Lehre und Forschung vor, wie die Änderung des Blockpraktikum-Konzepts und die Veränderungen bei der Bewertung der Studierenden. Besonders spannend waren auch die Erfahrungsberichte über das seit drei Jahren bestehende Lehrformat „Klopfkurs“ und die Genogrammerstellung im Kontext der Familienmedizin.
Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens lag darauf, neue Lehrpraxen zu gewinnen. Dazu wurden Strategien zur Ansprache interessierter Praxen sowie neue Qualifizierungsangebote vorgestellt, die den Einstieg als Lehrpraxis erleichtern und individuelle Unterstützung bieten können.
Zum Schluss präsentierten wir aktuelle Promotions- und Habilitationsvorhaben und tauschten uns mit den Lehrärztinnen und Lehrärzten aus, damit die hausärztliche Lehre sich immer weiterentwickelt und auf dem neusten Stand bleibt.
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Medizin des Alterns und des alten Menschen: Neue Lehrimpulse & mehr Professionalität durch ImPro Q7
Mit dem Projekt ImPro Q7 -Projekt führt das Institut für Allgemeinmedizin im Querschnittsbereich Q7 „Medizin des Alterns und des alten Menschen“ eine innovative Lehr- und Forschungseinheit ein. Ausgangspunkt waren Rückmeldungen von Studierenden, die Unsicherheiten und emotionale Herausforderungen im Umgang mit älteren Patientinnen und Patienten schilderten – von Überforderung über Kommunikationsschwierigkeiten bis hin zu Konflikten zwischen ärztlichem Ideal und Versorgungsrealität.
Unser Seminar ImPro Q7 setzt genau hier an: Die Studierenden verfassen vor Beginn des psychosozialen Seminars kurze narrative Texte über eine selbst erlebte konflikthafte Situation mit einer älteren Person im Gesundheitswesen. Diese Erfahrungsberichte werden in Kleingruppen reflektiert, bevor sie aus der Perspektive der betroffenen älteren Person diskutiert werden sollen. Ziel ist es, durch narrativen Perspektivwechsel Empathie zu fördern, stereotype Sichtweisen aufzubrechen und professionelle Haltungskompetenzen zu stärken.
Begleitet wird die neue Lehreinheit von einer qualitativen Studie. Hierfür werden die anonymisierten Texte der Studierenden, fokussierte Einzelinterviews sowie Gedächtnisprotokolle der Lehrenden herangezogen und ausgewertet. Die Analyse erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse und soll typische Wahrnehmungsmuster, emotionale Reaktionen und Lernprozesse sichtbar machen.
Die Einführung von ImPro Q7 verbindet didaktische Innovation mit wissenschaftlicher Evaluation. Das Institut erhofft sich durch die neue Lehreinheit einen Beitrag dazu, dass zukünftige Ärztinnen und Ärzte ältere Menschen nicht nur medizinisch, sondern auch empathisch und reflektiert begleiten können. Erste Erfahrungen zeigen, dass die Studierenden die Lehreinheit sehr gut annehmen, und dass sie gut funktioniert.
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Brandneues im Blockpraktikum Allgemeinmedizin: Näher an der Praxis mit stärkerem Patient:innen Fokus
Mit Beginn des Wintersemesters 2025/26 treten im Blockpraktikum Allgemeinmedizin (BPAM) sowie im zugehörigen Begleitseminar wichtige Änderungen in Kraft. Statt wie bisher ein Kurzreferat zu allgemeinmedizinischen Themen oder einen Fall aus dem Praktikum vorzustellen, präsentieren künftig alle Studierenden einen realen Patientinnen-/Patientenfall aus ihrem BPAM direkt im Begleitseminar.
Die Fallvorstellungen orientieren sich weiterhin an zentralen Themen der Allgemeinmedizin – etwa Familienmedizin, komplexe Versorgungssituationen wie „pflegende Angehörige“, akute Beratungsanlässe oder Multimedikation. Bewertet werden die Präsentationen der Fallausarbeitung jedoch nicht mehr von den Lehrärztinnen und Lehrärzten in den Praxen, sondern ausschließlich durch die Dozierenden im Seminar.
Besonderen Wert legt das Institut auf eine strukturierte Darstellung nach dem SOAP-Schema sowie auf eine biopsychosoziale, patientenzentrierte Perspektive. Die überarbeiteten Bewertungskriterien spiegeln diese Schwerpunkte wider.
Erste Erfahrungen zeigen: Vielen Studierenden fällt es noch schwer, die rein biomedizinische Sichtweise zu verlassen und die Patientin bzw. den Patienten als ganze Person in den Blick zu nehmen. Gleichzeitig hat sich die Qualität der Seminardiskussionen spürbar verbessert – sie sind lebendiger, reflexiver und fachlich vielseitiger geworden.
Wir gehen davon aus, dass die Neuerungen die praktische Relevanz des BPAM weiter stärken und den Kompetenzerwerb der Studierenden fördern. Mit Spannung erwarten wir die kommenden Evaluationen dieser Lehrveranstaltung.
Im Praktischen Jahr greifen wir die Themen auf und vertiefen sie. Wir haben dafür einen neuen Leitfaden für die Studierenden und ihre Lehrpraxen erstellt.
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Das unterschätze Tool Genogramm – Wie das Genogramm den Blickwinkel für die Geschichte hinter den Symptomen in der Familienmedizin erweitert!
Ein Genogramm ist eine grafische, mehrgenerationale Darstellung des familiären Gefüges. Es ermöglicht nicht nur einen schnellen Überblick über die Häufung und Wiederholung bestimmter Erkrankungen, sondern zeigt auch Beziehungsmuster, soziale Bedingungen und Risikofaktoren auf, die die Bewältigung und Heilung von Krankheiten direkt oder indirekt beeinflussen.
Während dieses Instrument in Ländern mit einem etablierten familienmedizinischen Ansatz seit Langem fester Bestandteil der primärärztlichen Versorgung ist, spielt es in der deutschen Allgemeinmedizin bislang eine eher untergeordnete Rolle.
Im Institut für Allgemeinmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurde erstmalig im Wintersemester 2024/25 erstmals im Rahmen einer Einführungsvorlesung zur Allgemein- und Familienmedizin ein Dreigenerationen-Genogramm vorgestellt. Das Fallbeispiel einer 19-jährigen Patientin mit Stimmungsschwankungen und Panikattacken diente dazu, Studierenden ein ganzheitliches biopsychosoziales Verständnis der Symptomatik zu vermitteln – eingebettet in Familiengeschichte, Beziehungskonstellationen und individuelle Biografie.
Anhand des SOAP-Schemas wurde demonstriert, wie die Arbeit mit dem Genogramm hilft, Symptome besser einzuordnen, Risiken zu erkennen und Ressourcen sichtbar zu machen. Gleichzeitig stärkt sie die hausärztliche Beziehung zum Patienten, da sie die Kommunikation strukturiert, das gemeinsame Verständnis vertieft und die Exploration sensibler Themen erleichtert. Das Genogramm eröffnet damit einen Perspektivwechsel, der für Diagnostik wie Therapie gleichermaßen wertvoll ist – und in der deutschen Primärversorgung noch erhebliches Potenzial besitzt.
Darüber hinaus erleichtert dieses Tool die Kommunikation und Dokumentation in einem multidisziplinären Versorgungsteam, wie es in der Familienmedizin angestrebt wird. Durch die gemeinsame Sicht auf familiäre Zusammenhänge profitieren sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch weitere Berufsgruppen der Primärversorgung von einer verbesserten Abstimmung und einem erweiterten Verständnis der Patientensituation. Das Genogramm bleibt dabei ein dynamisches Instrument: Es kann jederzeit ergänzt, aktualisiert und im Verlauf neu reflektiert werden.
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„Starkes Netzwerk Lehrpraxen – Gemeinsam Lehrkompetenz weiterentwickeln“
Unser Lehrpraxennetzwerk wächst – und das mit beeindruckender Dynamik. Mittlerweile haben wir 120 Lehrpraxen in unserem Pool und konnten davon 15 allein in den vergangenen Monaten für die allgemeinmedizinische Ausbildung gewinnen. Zahlreiche Praxisbesuche haben bereits stattgefunden, weitere sind in Vorbereitung. Herzlichen Dank für Ihr großes Engagement!
Warum dieses Projekt?
Um die Lehre in der hausärztlichen Versorgung langfristig zu stärken, entwickeln wir derzeit ein praxisnahes, bedarfsorientiertes Qualifizierungsprogramm für Lehrpraxen – gemeinsam mit Ihnen. Ziel ist es, Lehrkompetenz zu fördern, Motivation zu stärken und Lehrpraxen sowohl organisatorisch als auch didaktisch optimal zu unterstützen.
Was untersuchen wir?
Im Rahmen einer qualitativen Studie – eingebettet in die Promotion von Ines Pericie-Brasch – gehen wir zwei zentralen Fragen nach:
Welche Bedarfe und Rahmenbedingungen bestehen in Lehrpraxen für ein praxistaugliches Qualifizierungsprogramm?
Wie kann ein solches Programm partizipativ entwickelt und erfolgreich in den Praxisalltag integriert werden?
Hierzu führen wir von November 2025 bis Juni 2026 problemzentrierte Interviews mit neu akkreditierten Lehrpraxen in Sachsen-Anhalt durch. Ergänzend prüfen wir den Einsatz eines Fokusgruppenformats, um weitere Perspektiven der hausärztlichen Lehre einzubeziehen.
Ihre Stimme zählt!
Dieses Qualifizierungsprogramm entsteht für Lehrpraxen – und gemeinsam mit ihnen. Ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Impulse aus dem Versorgungsalltag sind für uns von unschätzbarem Wert.
Möchten Sie Ihre Expertise einbringen, an einem Interview teilnehmen oder das Projekt anderweitig unterstützen?
Dann melden Sie sich gern – wir freuen uns auf Ihre Mitgestaltung!
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„Finde die Ruhe und bleib dabei…“ - Das „Wahlpflichtfach weniger Stress, mehr Kompetenz“ und die „Magdeburger Achtsamkeitsmodule (MAM)“
2018 als Pilotprojekt mit sieben teilnehmenden Studierenden gestartet, werden mit Abschluss des laufenden Wintersemesters mehr als 100 Studierende das auf Erkenntnissen des ReSource-Projektes basierende und am NKLM orientierte Wahlpflichtfach (WF) absolviert. Gemeinsam praktizieren wir grundlegende Achtsamkeitsübungen und diskutieren dabei gewonnenen Erfahrungen und den Stand der Forschung zur gesundheitlichen Belastung von Studierenden und Ärzten, zur Neurobiologie wie auch zur Messbarkeit von Achtsamkeit und Meditation. Damit verbessern die Teilnehmenden, so zeigen es unsere Tests, im Verlauf des WF´s ihre Achtsamkeit und ihr Selbstmitgefühl signifikant und können wirksam ihren persönlichen Stress reduzieren. Seit zwei Jahren treffen sich im Alumniprojekt frühere Teilnehmende zu gemeinsamer Übungspraxis. 2019 wurde das WF durch Angebote für Ärzte in Weiterbildung bzw. Ausbildung (Modul 2) und Fortbildung (Modul 3) ergänzt. Wochenendseminare für angehende Psychotherapeuten in den Fachgebieten Psychosomatische Medizin, Allgemeinmedizin und Frauenheilkunde ermöglichen Einblicke in das Thema, gemeinsame Übungspraxis und Austausch. 2025 bot das Institut bereits zum fünften Mal auf einem DEGAM-Kongress einen Workshop an. Ebenfalls fand ein internationaler Workshop statt im Rahmen des jährlichen Forums von EURIPA in Lutherstadt Wittenberg. Belastungen von Hausärzten im Fokus, luden wir zu gemeinsamer Übungspraxis und Diskussion ein. Im erneut bis auf den letzten Platz besetzten Auditorium fanden die von uns behandelten Themen großes Interesse. All das motiviert uns, diese Projekte fortzusetzen.
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Forschung
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Neue Ideen zur „Reformation in der Ländlichen Versorgung“ auf dem EURIPA-Treffen in Deutschland.
Das Thema des diesjährigen EURIPA-Treffens passte hervorragend zum Austragungsort: Zur „Reformation in der ländlichen Versorgung“ tauschten sich in der traditionsreichen Reformations-Stadt Wittenberg erstmalig 300 Ärztinnen und Ärzte im Rahmen des14. EURIPA-Forums in Deutschland aus, einem von Hausärztinnen und Hausärzten gegründetem europäischen Netzwerk. Vom 26. bis 28. Juni 2025 standen die Bedürfnisse der ländlichen Gemeinden in Bezug auf Gesundheit und Wohlergehen und die beruflichen Anforderungen der dort tätigen Ärztinnen und Ärzte im Mittelpunkt. Die teilnehmenden Kollegen und Kolleginnen kamen aus verschiedenen europäischen Ländern, den USA, Australien, aber auch einzelnen Ländern aus Lateinamerika. An drei Tagen streiften wir in kleinen Gruppen durch die Straßen der Lutherstadt Wittenberg und ließen uns durch den Geist der Reformation inspirieren, um Lösungen zu finden für die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft, einem überbordenden zunehmenden teuren und ineffektiven Sozialstaat, politische Polarisierungen und die neuen Herausforderungen der digitalen Transformation und sozialen Veränderungen und in unseren Gemeinden! Als langjähriger Vertreter der DEGAM durfte ich dieses Event mitorganisieren und die Zusammenkunft als wichtigen Meilenstein in unseren gemeinsamen Bemühungen, die Gesundheit und das Wohlergehen der ländlichen Gemeinden in ganz Europa zu verbessern, würdigen.
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KI gestützte Entscheidungsunterstützung bei Polypharmazie in der hausärztlichen Versorgung
Im Rahmen dieser Proof‑of‑Concept‑Studie untersuchen wir, wie das Large‑Language‑Model “ChatGPT“ Hausärztinnen beim Deprescribing und bei der Identifikation potenziell inadäquater Medikamente (PIM) unterstützen kann. Dazu werden 16 Allgemeinärztinnen aus vier Bundesländern nach Praxisgröße, Digitalisierungsgrad, Standort und Forschungserfahrung rekrutiert und in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe analysiert sechs standardisierte Fallvignetten mit häufigen und seltenen Nebenwirkungen mithilfe des KI‑Tools, die zweite mit den etablierten PRISCUS‑ und FORTA‑Listen. Dabei messen wir die Erkennungsleistung und den praktischen Entscheidungsnutzen. Anschließend führen wir halbstrukturierte Experteninterviews mit den Teilnehmenden durch und analysieren die Ergebnisse mit bewährten Technologie-Akzeptanzmodellen. Auf diese Weise identifizieren wir hemmende und fördernde Faktoren für eine mögliche Implementierung solcher Tools.
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„Das kolorektale und das Prostata-Karzinom in Vorsorge und Nachbetreuung bei Hausärztinnen und Hausärzten“
Dieses Thema ist weiterhin Gegenstand unserer Forschungsarbeit. Ein Schwerpunkt liegt dabei in der Betrachtung der Veränderungen der PSA-basierten Früherkennung in hausärztlicher Hand über einen Zeitraum von 12 Jahren als Ergebnis unserer KABOT-Studie. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen, grundlegenden Veränderungen in den Empfehlungen der Leitlinie von Bedeutung. Welche Relevanz dieses Thema hat wird unter anderem dadurch unterstrichen, dass die Vorstellung unserer Ergebnisse im Rahmen des 19. Nordkongresses Urologie in Berlin mit dem Martin-Stolze-Preis honoriert wurde.
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Wissenschaftlicher Austausch mit brasilianischen Kolleginnen und Kollegen zu Psychosomatik und Familienmedizin
Die Gastprofessur Allgemeinmedizin an der Universidade Federal do Pernambuco (UFPE), gefördert durch ein Stipendium des DAAD, konnte erfolgreich abgeschlossen werden und war Anlass dazu, im Rahmen des alle zwei Jahre stattfinden bundesweiten Jahreskongress der Familien- und Gemeindemedizin in Manaus, einen Workshop zur Psychosomatischen Grundversorgung anzubieten. Es zeigte sich, dass das Kurskonzept eine wertvolle Ergänzung in der Weiterbildung in Familien- und Gemeindemedizin in Brasilien darstellt. Umgekehrt bietet die Betonung von territorialer, familien- und gemeindeorientierter Primärversorgung in einem multiprofessionellen Team in Brasilien auch wichtige Impulse für die Weiterentwicklung in Deutschland, wo es derzeit erste Modellprojekte gibt, die sich in Richtung einer gemeindenahen und multiprofessionellen Primärversorgung entwickeln.
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Gemeinsam Forschen zur Familienmedizin
Weltweit gibt es einen zunehmenden Trend zur Reform der medizinischen Grundversorgung. Der Mangel an Fachärzten, epidemiologische Herausforderungen, sich wandelnde berufliche Rollen und Identitäten von Allgemeinmedizinern, Digitalisierungsprozesse, Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Gesundheit sowie wirtschaftliche, funktionale und politische Belastungen der Gesundheitssysteme treiben den Wandel voran. In Deutschland werden im Rahmen eines Aufholprozesses – nicht nur im Vergleich zu Brasilien, sondern auch zu anderen Ländern – neue multiprofessionelle Zentren für die medizinische Grundversorgung eingerichtet, wodurch sich der Schwerpunkt von der traditionellen Arzt-Patient-Beziehung auf ein zentrumsbasiertes Versorgungsmodell verlagert. Auch Modellprojekte laufen, die die Beteiligung der Gemeinde stärken sollen. In diesem transformativen Kontext bilden wir derzeit eine deutsch-brasilianische, binationale Forschungsgruppe mit dem Ziel, in einen wechselseitigen, gemeinsamen Prozess einzusteigen, voneinander zu lernen und zu forschen für eine stärker systemisch orientierte Familienmedizin.
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